Der Alltag nach einem Herzinfarkt ruft nach Lebensstilmodifikation. Die Kassen zahlen seit Juni ab sofort ambulante kardiologische Rehabilitation in zwei Centren in Oberösterreich.
Das Ziel der Sonderkrankenanstalt für ambulante kardiologische Rehabilitation, dem Centrum für Lebensstilmedizin, ist eine Sekundärpräventation von Ereignissen wie Infarkt, Schlaganfall, By-pass-Operation etc. "Unser Paradepatient ist zwischen 45 und 60 Jahre alt, hat eine oder mehrere Gefäßverengungen, die zu einem Infarkt geführt haben. Wer nach einem Herzkreislauf-Ereignis nichts verändert, muss damit rechnen, in den nächsten zehn Jahren ein weiteres Ereignis zu erleiden", sagt Helmuth Ocenasek, Sportarzt und stellvertretender Leiter des Centrums im Medicent Linz. Das zwölfköpfige Team unter der Leitung des Linzer Internisten Karl Mayr umfasst Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Sportwissenschafter und eine Sozialarbeiterin. Sie alle betreuen mehr als 150 Patienten pro Monat im Centrum der ambulanten Rehabilitation. "Durch den Kassenvertrag erwarten wir bis zu 300 Patienten pro Monat", sagt Ocenasek.
Die Arbeitsgemeinschaft für kardiologische Rehabilitation (AGAKAR) hat ihr Ziel, den Kassenvertrag erreicht. Allen Versicherten können nun kostenlos das zwölfmonatige Reha-Programm nutzen. Sieben Zentren in Österreich haben den Vertrag erhalten, darunter das Cardiovital-Wels in der Privatklinik St. Stephan. Ein Zentrum in Steyr gilt als Anwärter.
Erschreckend ist, dass nur 10 bis 20 Prozent der Patienten, die für eine Kardio-Reha, ob ambulant oder in der Reha-Klinik, in Frage kommen, diese in Anspruch nehmen. Ocenasek glaubt, seine Klientel wird sich vornehmlich aus Selbstständigen, aus Müttern, die nicht vier Wochen wegfahren möchten und all jenen zusammensetzen, die sich keine vier Wochen Krankenstand leisten können oder wollen. Bestandteile des Programms sind kardiologisches Training in Gruppen zu maximal zehn, angewandte Ernährungsschulung, psychokardiologische Betreuung, Erlernen von Entspannungsmethoden, Nichtrauherschulung, ein Reanimationskurs und diverse Vorträge. Regelmäßige Leistungsphysiologische Tests und Blutuntersuchungen kommen dazu. Wichtig ist der verhaltenstherapeutische Ansatz. "Wer nach der Phase II, d.h. vier Wochen lang intensives ambulantes Programm viermal wöchtentlich zu je drei Stunden, und nach Phase III mit zwei Trainingseinheiten wöchentlich ein Jahr lang, motiviert ist, die lebensstilmodifizierten Maßnahmen weiterzuführen, sorgt bestens vor, einen weiteren Infarkt zu verhindern", sagt Ocenasek.